Aller guten Dinge sind Braai

In Südafrika vermischt sich niederländische und deutsche Küche mit französischen Einflüssen, exotischen Gewürzen, Currys und Früchten. Ein Genuss-Potpourri, das sich beim „Braai“ vereint. Auch wenn der Begriff übersetzt „braten“ bedeutet, versteht man darunter das Grillen an sich. Familie und Freunde versammeln sich um das Feuer, um gemeinsam Zeit zu verbringen und gut zu essen. Klar, das kommt uns sehr bekannt vor – die Unterschiede zur Lieblingsbeschäftigung der Deutschen liegen im Detail. Eines ist gleich: Auf den Grill kommt eine Menge Fleisch.

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raai wird zelebriert, das Feuermachen ist ein Ritual und vorwiegend Männersache. Die Mannschaft um den Braai fachsimpelt über die richtige Technik, während das schöne Geschlecht Salate zubereitet. Schulter, Rippchen, Würste und Beilagen zischen auf dem Rost, während an Bier, Wein oder „Brannewein und Coke“ genippt wird. Doch statt einem Sack Holzkohle liegt hier Hartholz, vorzugsweise das des Kameldornbaumes. Im Braai-Grillkamin brennt ein offenes Feuer, die Glut wird unter den Rost geschoben und dient als Hitzequelle. Bis das Holz heruntergebrannt ist, kann es schon mal eine Weile dauern. Moderne Braais verfügen über eingebaute „Kohlemacher“, Metallgehäuse in denen das Feuer wütet. Unten fällt die Kohle heraus, kann gleichmäßig verteilt werden, oben werden neue Scheite
nachgelegt.

Grillen im Wurstschneckentempo

Für das Braaien nehmen sich die Südafrikaner noch mehr Zeit, als wir für unsere Grillabende einplanen. Bis das Grillgut aufgelegt werden kann, genießt man die Gesellschaft von Familie und Freunde. Gerade deshalb könnte es das „nächste große Ding“ in unseren Gärten werden.
Nicht nur, weil die freistehenden Grillkamine oder Einbaumodelle wirklich
groß sind. Der Spirit des Braai steckt in etwas viel Einfacherem: Bei Dämmerung vor den Flammen zu sitzen, gemeinsam Zeit und Essen zu teilen, weckt eine urtümliche Romantik. Beim Blick ins Feuer findet jeder – besonders der passionierte Griller – etwas, das tief in ihm resoniert. Wir wollen dich nicht dazu aufrufen deinen geliebten Kugelgrill in dauerhaften Winterschlaf zu schicken, aber so ein Braai hat schon was. Darunter viele Funktionen, um beispielsweise direkt und indirekt zu grillen, darauf zu backen oder Töpfe zu erwärmen. Der gewitzte Südafrikaner schafft es zwar, einen Einmal- Braai aus einer Alufelge und einem Rost zu improvisieren, aber mal ehrlich, als Grillnation Deutschland wollen wir doch High End und am besten noch einen
draufsetzen!

Kein Einheitsbrei

Nach ein bis zwei Stunden „easy going“ ist der Braai bereit. Kudu oder Springbock wandert auf den Rost, auch Rind und Lamm sind typisch. Als Geflügel landet Straußenfleisch auf den Tellern. Hähnchen wird hier nicht als echtes Fleisch gewertet, sondern eher als vegetarisches Gericht angesehen. In den Küstenregionen gibt es meist Fischfilet, Krebse oder Hummer. Im ganzen Land sind „Boerewors“ beliebt. Das sind ganz normale Bratwürste, halb Schwein, halb Rind – nix Schlimmes also. Kleine Würstchen sucht man in Südafrika allerdings vergeblich. Die pikante Boerewors ist lang und wird als Schnecke zusammengerollt. Insgesamt sind die Portionsgrößen bei Braais nicht zu verachten. Zum Fleisch wird Maisbrei mit einer Tomaten-Zwiebel-Sauce serviert, die sich den Namen Sheba mit dem bekannten Katzenfutter teilt. Pikante und würzige Saucen wie Chakalaka sind beliebt. Auf den Grill kommen zudem „Braaibrodjes“, einfache Sandwiches aus Weißbrot mit unterschiedlichem
Belag. Da diese hier stets zum Braai dazu gehören, hat jede Familie eigene Zubereitungsarten. Suche dir im Netz auf jeden Fall ein paar Rezepte für den nächsten Grillabend raus! Genauso ist es mit Eintöpfen und Suppen, die in Potjes, kleineren Dutch Ovens, zubereitet werden.

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Eine deutschsüdafrikanische Freundschaft

Braai-Grillen ist ein Event, bei dem Sprache, Herkunft und Religion keine Rolle spielen. Am 23. September, dem „National Heritage Day“, ruft eine Initiative dazu auf, Braai als kulturelles Ereignis zu feiern. Jeder soll an diesem Tag am Feuer willkommen sein und Flagge zeigen.

Trotz der teils großen Unterschiede, kommt uns vieles sehr vertraut vor. Das zeigt sich deutlich in den ersten Sekunden des Musikvideos zur offiziellen Braai-Hymne. Mit Grillzange und Würstchen in der Hand und Fußball unter dem Arm läuft ein Trikotträger in ein Fußballstadion ein – geht es noch deutscher? Vielleicht.

Als eines von 40 Vierer-Teams wurden dieses Jahr auch deutsche Videogriller und Blogger der Szene zur „Braai Tour“ eingeladen. Markus von 0815-BBQ, Marco von ehrliches essen, Oliver von bigBBQ und Klaus von Klaus Grillt traten die Reise nach Südafrika an. Wie es sich gehört, wurde alles gut dokumentiert und die Rezepte und Erlebnisse auf den verschiedenen Kanälen festgehalten – einfach mal reinschauen! Auch wenn die Völkerverständigung nicht immer gelingt, sind bei Feuer und Rauch alle auf einer Wellenlänge.

„Das war ein riesen Abenteuer mit tollen Landschaften und guten Freunden. Das Zurück zur Gemütlichkeit beim Braai-Grillen war beeindruckender als die Rezepte. “
– Klaus Glaetzner von Klaus Grillt –

Viele Elemente des Braai fügen sich nahtlos in einen deutschen Grillabend ein, aber es sind die kleinen Unterschiede, die Ruhe und Gelassenheit mit sich bringen. Die gemeinsame Zeit vor dem Essen, bei der sich alle ums offene Feuer versammeln, ist der schönste Nebeneffekt des Braai-Grillens. Wer nicht bis nach Afrika reisen möchte, um echtes Braai-Feeling zu erleben, darf sich freuen, dass der Trend jetzt auch nach Deutschland kommt.

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